Glossar
Begriffe der Nachlasskultur.
- Digitalisierung
Die fotografische oder gescannte Erfassung von Werken und Dokumenten. Digitalisierung sichert Abbilder und macht Bestände teilbar — sie ist aber keine Dokumentation: Ein Bild ohne Datierung, Maße und Kontext bleibt eine Abbildung, kein Wissen.
- Dokumentation
Die strukturierte Erfassung des Wissens über ein Werk: Titel, Datierung, Material, Maße, Zustand, Provenienz, Ausstellungs- und Literaturnachweise. Dokumentation macht aus Objekten nachvollziehbare Einträge — sie ist die Voraussetzung für Werkverzeichnis, Forschung und institutionelle Übernahme.
- Erschließung
Die inhaltliche Aufarbeitung eines Bestands über die bloße Sicherung hinaus: Werke identifizieren, datieren, Werkgruppen bilden, Kontexte dokumentieren. Ein erschlossener Bestand ist nicht nur vorhanden, sondern lesbar — für Familie, Forschung und Institutionen.
- Konvolut
Ein ungeordneter oder nur grob zusammengefasster Bestand von Werken oder Dokumenten, dessen innere Zusammenhänge noch nicht erschlossen sind. Der Begriff beschreibt einen Zustand, kein Urteil: Aus einem Konvolut können Werkgruppen werden — wenn jemand die Beziehungen erkennt.
- Kulturkapital
Der über den Marktwert hinausreichende Wert eines Bestands: seine Fähigkeit, in größere Erzählungen einzugehen — Kunstgeschichte, Regionalgeschichte, Materialgeschichte, Geschlechtergeschichte. Kulturkapital entsteht nicht durch den Namen allein, sondern durch Zusammenhang, Dokumentation und Vergleichbarkeit.
- Künstlernachlass
Der hinterlassene Werk- und Dokumentenbestand einer Künstlerin oder eines Künstlers. Er umfasst neben den Werken oft Skizzen, Werknotizen, Ausstellungsunterlagen und Briefwechsel — Material, das Zusammenhänge trägt und über den Wert einzelner Arbeiten hinausweist.
- Nachlass
Das, was nach dem Tod einer Künstlerin, eines Künstlers oder einer sammelnden Person zurückbleibt: Werke, Entwürfe, Dokumente, Korrespondenz, Fotografien, Rechnungen, Erinnerungen. Ein Nachlass ist zunächst kein kuratierter Bestand und kein fertiges Werkverzeichnis — er ist ein Zustand des Übergangs, der erst durch Sichtung und Erschließung lesbar wird.
- Provenienz
Die Herkunfts- und Besitzgeschichte eines Werks: wer es wann besaß, wie es den Besitzer wechselte, wo es ausgestellt war. Provenienz schafft Vertrauen und Zuordenbarkeit — und ist oft in unscheinbaren Quellen dokumentiert: Rechnungen, Rückseitenbeschriftungen, Briefen, Ausstellungslisten.
- Sammlernachlass
Der Nachlass einer sammelnden Person. Sein Wert liegt häufig weniger in einzelnen Objekten als in der Sammlungslogik: in dem, was gekauft wurde — und was nicht. Die Geschichte der Entscheidungen ist Teil des Bestands.
- Sichtung
Die erste systematische Durchsicht eines Bestands: Was ist da, in welchem Zustand, in welchen Zusammenhängen? Die Sichtung bewertet nicht und ordnet nicht endgültig — sie verschafft den Überblick, auf dem alle späteren Entscheidungen aufbauen.
- Vorlass
Ein Bestand, der noch zu Lebzeiten geordnet und übergeben wird. Der Vorlass erlaubt, was dem Nachlass meist fehlt: das Gespräch mit der Person, die die Zusammenhänge kennt. Datierungen, Zuschreibungen und Werkgeschichten lassen sich klären, solange jemand antworten kann.
- Werkgruppe
Eine inhaltlich, technisch oder zeitlich zusammengehörige Gruppe von Arbeiten innerhalb eines Werks — etwa eine Serie, eine Schaffensphase oder ein Materialkomplex. Werkgruppen zu erkennen heißt, die innere Ordnung eines Bestands zu verstehen, bevor eine äußere Ordnung darübergelegt wird.
- Werkverzeichnis
Die systematische Erfassung des gesamten Werks einer Künstlerin oder eines Künstlers — international Catalogue raisonné genannt. Es dokumentiert je Werk mindestens Titel, Datierung, Material, Maße, Provenienz und Ausstellungsgeschichte. Ein Werkverzeichnis ist Referenz für Forschung, Institutionen und Markt zugleich.
